Keplers Leben und Wirken

Johannes Kepler wurde am 27. Dezember 1571 in Weil der Stadt, etwa 30 km entfernt von Stuttgart, geboren. Eine wichtige Rolle im Leben Keplers spielte seine Mutter Katharina, die sein Interesse für Astronomie weckte. Nach einer fundierten Schulbildung studierte er ab 1589 evangelische Theologie, Mathematik und Astronomie in Tübingen. 1591 erlangte er den Grad des Magisters und machte sich einen bedeutenden Namen als Mathematiker in Graz, wo er auch an der dortigen protestantischen Stiftsschule lehrte. 1600 führte ihn sein Weg nach Prag. Er war dort u. a. kaiserlicher Mathematiker bis 1627. Zeitgleich wirkte er als Mathematiker in Linz. Ab 1627 war er astrologischer Berater Wallensteins. Am 15. November 1630 starb er im Alter von 59 Jahren in Regensburg.

Keplers Credo: Glaube und Wissenschaft

Kepler verteidigte das heliozentrische Weltbild sowohl astronomisch als auch theologisch. Er sah es als physikalische Tatsache an. Dies brachte ihm Kritik seitens der Kirchen ein. Bekannt ist Kepler wegen seiner Gesetze (die sog. Keplerschen Gesetze), die die Bewegung der Planeten um die Sonne beschreiben. Er revolutionierte mit seinen Beobachtungen das mittelalterliche Weltbild, da er herausfand, dass die Sonne die Planeten beeinflusst; das Sonnensystem ist demnach als dynamisches System zu begreifen. Zudem bestätigte er Galileo Galileis Beobachtungen. Darüber hinaus führte er das Rechnen mit Logarithmen ein und stellte die nach ihm benannte „Kepplersche Fassregel“ zur Berechnung von Integralen auf. Neben Astronomie und Mathematik beschäftigte er sich zeitlebens auch mit der Astrologie. Als Theologe beteiligte er sich an der Diskussion um wichtige Glaubensfragen im Zuge der Reformation und Konfessionalisierung. Kepler legte den Grundstein für die moderne Naturwissenschaft. Im Gegensatz zu heutigen Auffassungen war für ihn Naturwissenschaft auch Teil der Theologie und Philosophie. Sie beförderten geradezu den Drang, etwas über die Gesetzmäßigkeiten der Natur herauszufinden. So bezog Kepler theologische wie philosophische Überlegungen in seine Untersuchungen mit ein. Er fasste das Sonnensystem als harmonisches Schöpfungswerk auf. Außerdem sah er in der natürlichen Welt einen Spiegel für die göttlichen Ideen. Auch der Glaube an die Vorsehung, Hexerei und Magie sowie Astrologie waren ihm nicht fremd – Vorstellungen, die wir heute nicht unbedingt mit einem Naturwissenschaftler verbinden.

Kepler und Tübingen

Kepler ist eng mit der Geschichte Süddeutschlands verbunden. Er wurde nicht nur in Süddeutschland geboren, sondern lebte lange Zeit auch dort, z. B. in Leonberg. Insbesondere Tübingen sollte bedeutsam für Kepler werden – und Kepler bedeutsam für Tübingen. Er studierte im Evangelischen Stift in Tübingen und lernte dort neben der Theologie die kopernikanische Theorie des heliozentrischen Weltbildes kennen. Dieses bildete den Ausgangspunkt für seine berühmten Gesetze und seine Erkenntnisse insgesamt. Außerdem fungierte die juristische Fakultät Tübingens als Gutachter für den Hexenprozess gegen Keplers Mutter Katharina. Tübingen prägte also Keplers Lebensweg in erheblichem Maße und spielt so eine wichtige Rolle in seiner Biografie.

Vorstellungswelten zu Keplers Zeit

Eine Trennung von Naturwissenschaften und Geisteswissenschaften, wie wir sie heute kennen, gab es zu Keplers Zeit noch nicht. Vielmehr spielten Theologie und Philosophie eine wichtige Rolle in Bezug auf Physik, Mathematik und Astronomie. Theologische und philosophische Argumentationen verbanden sich mit naturwissenschaftlichen Erkenntnissen. Auch Astronomie und Astrologie waren in Keplers Zeit nicht zu trennen. Eine naturwissenschaftliche Betrachtung des Universums und der Glaube an Horoskope schlossen sich nicht aus; man glaubte vielmehr, dass Himmelskörper irdische Ereignisse beeinflussen. Dunkle dämonische Mächte, Hexerei und Magie wurden als allgegenwärtige bedrohliche Realität angesehen.